In mir selbst zu Hause sein

Während des Prozesses der „Liebevollen Zwiesprache“ wenden wir uns ausschließlich den Emotionen zu, die sich im gegenwärtigen Moment zeigen – mit dem Wissen, dass diese mit unserer Vergangenheit verknüpft sind. Lösen wir den Schmerz in der Gegenwart, lösen wir automatisch ein Stück Vergangenheit mit. Dies wirkt letztendlich heilsam in die Zukunft hinein.

Jede schmerzhafte Emotion ist in dem Moment, wo wir unmittelbar hineinspüren, alles andere als angenehm. Es braucht gerade am Anfang einigen Mut, sich dem Unangenehmen zuzuwenden. Doch diese Zeit ist wirklich sehr begrenzt, verglichen mit der Zeit, die der Schmerz unterschwellig in uns wirkt und sein Unwesen treibt. Wer dies einmal erfahren hat, weiß um die befreiende Wirkung, und bringt diesen Mut viel leichter auf.

Es ist kein haltloser Schmerz, sondern ein mitfühlend umarmter Schmerz.

Ganz nüchtern betrachtet sind unsere Ängste und Aggressionen sowie alle anderen Emotionen letztendlich nichts anderes als energetische Ereignisse in unserem Nervensystem.

Wir können lernen, in jedem Moment unseres Lebens größer zu sein als unsere Emotionen.

Wir haben die Fähigkeit, uns um unser unangenehmes Gefühl, um unser Leid selbständig zu kümmern! Nur wir selbst können uns so um unsere Gefühle kümmern. Wir können den Schmerz willkommen heißen, weil wir uns bewusst sind, dass er in diesem Augenblick eine Möglichkeit für ein Stück Heilung ist.

Jeder Prozess ist somit ein kleines Stück sterben und ein Stück neu geboren werden.

Die „Liebevolle Zwiesprache“ bezieht alle drei menschlichen Seinsdimensionen mit ein: Körperliches Spüren, Emotionales Fühlen, Geistiges Beobachten und Halten. Durch das intensive Spüren, Fühlen und beobachtende Halten entsteht eine heilsame Präsenz auf allen drei Seinsebenen.

Die geistige Instanz im Menschen tritt mit dem Psychophysikum (Körper und Psyche) in eine spürende und fühlende wortlose Zwiesprache.

Durch die Lösung unserer emotionalen Blockaden eröffnet sich ein neuer Raum, indem unsere Lebendigkeit, Freude, Vertrauen, Stärke, Gelassenheit und eine tragfähige Spiritualität wirken kann. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass sich in uns ein stabiles Urvertrauen aufbaut. Alte Glaubensmuster lösen sich nach und nach.

Sind wir bereit, uns immer wieder den aktuell ausgelösten Gefühlen zu stellen und sie mit unserer Aufmerksamkeit zu umarmen, vermag uns dies zu einer größeren inneren Freiheit und Klarheit zu führen.

Die angenehmen, kraftvollen und lebensfördernden Gefühle und Qualitäten, die an die Oberfläche unseres Bewusstsein kommen, wenn der Schmerz sich gelöst hat, werden nicht von Außen hereingeholt. Sie kommen als unser ganz natürlicher Seinszustand an die Oberfläche und wir können sie umfassend integrieren, indem wir sie aufmerksam spüren und fühlen.

Die „Liebevolle Zwiesprache“ geht noch weiter und tiefer, als nur den Schmerz zu lösen. Sie schaut, was an lebensfördernden Qualitäten darunter liegt und nutzt diese aufbauenden Kräfte ebenso auf allen drei Seinsebenen.

So kann es sich entwickeln, dass wir mehr und mehr von einer sanften Freude durch unseren Alltag begleitet werden. Die angezogene innere „Handbremse“ löst sich, unser Leben nimmt  Fahrt auf.

Mit diesem inneren „Handwerkszeug“ wird die generelle Fähigkeit gefördert, keinen neuen Schmerz mehr „einzulagern“ und alten Schmerz Stück für Stück selbständig zu lösen.

Wir können die „Liebevolle Zwiesprache“ als therapeutische Methode anwenden, doch und wir können sie auch zu einer Lebensweise entwickeln, die uns unterstützt, viel bewusster, freier und authentischer zu leben. Damit meine ich die Fähigkeit, mit allem was jetzt in diesem Augenblick erscheint, präsent zu sein. Wir lernen, mit unserem offenen Herzen jedes emotionale Ereignis willkommen zu heißen.

So können wir in die Lage kommen, uns mit unseren eigenen Schattenseiten und denen unserer Mitmenschen zu versöhnen. Die über Generationen weitergegebene Leidkette können wir Stück für Stück beenden.

Wir sind unseren belastenden und leidvollen Gefühlen nicht mehr ausgesetzt. Wir können uns darum kümmern!

Das Getriebensein zu selbst- und fremdzerstörerischen Handlungen, um die eigene Wunde nicht zu berühren, kann sich in eine innere Stärke und in ein liebevolles Gewahrsein mit Allem, was uns verletzt hat, umkehren.

Der Abbau von emotionaler und gleichzeitig körperlicher Spannung vermag sich dabei gesundheitsfördernd auf seelischer und körperlicher Ebene auszuwirken. Wir können mehr im Hier und Jetzt leben – in Achtsamkeit mit allen Sinnen und mit Humor. 

Wir gewinnen mit der emotionalen Heilungsarbeit mit der Liebevollen Zwiesprache dreifach an Lebensenergie:

1. Die zuvor in uns blockierte Schmerzemotion fließt wieder als Lebensenergie in unseren Gesamtkörperenergiekreislauf ein.
2. Die Energie, die im unbewussten Abwehrmechanismus der Schmerzemotion gebunden war, steht uns nun ebenfalls als Lebenskraft zur Verfügung.
3. Wir gewinnen durch die Auflösung der Emotionsblockade mehr inneren Raum und können somit mehr an Lebenskraft und Liebe empfangen.

Wir kommen in uns selbst zu Hause an.

Was wirkt letztendlich heilsam? Wir bringen Bewusstsein in unseren Körper zusammen mit einer liebenden Präsenz.

Wir Menschen sind komische Wesen mit manchmal recht eigenartigen Verhaltensweisen und Bedürfnissen und wir Menschen sind herrliche Wesen mit großen Herzen, die in Liebe überfließen wollen.

Betrachten wir uns mit Humor, mit Verständnis und Mitgefühl.

Denn wenn wir in den Sternenhimmel schauen, können wir erkennen, dass wir nur ein kleines Stäubchen im Universum sind. Was ist dann der Sinn dieser paar Jahrzehnte, die wir leben?

Wir werden am Ende nicht vor der Frage stehen, was wir geleistet haben, sondern wie viel wir geliebt haben.

Die Liebevolle Zwiesprache beinhaltet das Potential, dass unsere Herzen sich weiten und immer liebesfähiger werden – mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen – in diesem Augenblick und bis zum letzten Atemzug.

„Ich erfasse jetzt den Sinn des Letzten und Äußersten, was menschliches Dasein und Denken- und Glauben auszusagen hat: die Erlösung durch die Liebe und in die Liebe.“

Viktor Frankl

Diese Erläuterungen dienen alleine der Information und sind nicht als Anleitung zur Selbsterkennung und Selbstbehandlung von Krankheiten zu verstehen.