Die geistige Dimension – Trauma und Körperwahrnehmung

Die Heilung eines Traumas bzw. einer zurückliegenden seelischen Verletzung ist kein primär kognitiver, sondern vor allem auch ein biologischer und körperlicher Prozess.

Eine Heilungsmethode kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie darauf beruht, eine Verbindung zum Körper herzustellen- ohne dies ist sie nur von einem begrenzten Erfolg.

In der heutigen Traumaforschung gibt es die klare Erkenntnis: Ein Trauma oder eine seelische Verletzung ist nicht im Ereignis gespeichert, sondern im Körper, im Nervensystem.

Das Ereignis ist Vergangenheit, doch der Körper speichert jede Erfahrung.
Deshalb ist es nicht notwendig, zur Heilung eines Traumas die vergangenen Ereignisse und Geschichten wieder aufzurollen!

Während einer sehr belastenden Situation oder bei einem Trauma wird im Körper zur Bewältigung dieser Situation sehr viel Energie freigesetzt.

Wird diese Energie aus der Mobilisierung des Körpers, die mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen und einer starken Erregung des Sympathikus einhergeht, nicht abgebaut und gelöst, friert sie in unserem Nervensystem ein und erzeugt einen hohen Spannungszustand im Körper. Dies kann zu psychischen und körperlichen Krankheitssymptomen führen.

Wie gut es uns gelingt, die entstandenen Spannungen abzubauen, hängt von unseren Vorbelastungen und von unseren inneren und äußeren Ressourcen ab. Wir können uns schneller oder langsamer durch ein Trauma hindurchbewegen, können jedoch auch darin stecken bleiben. Trauma gehört zum Leben, doch in jedem Menschen ist die Fähigkeit zur Lösung und Heilung angelegt.

Um ein Trauma und in uns gespeicherte Spannungen zu lösen, brauchen wir den intensiven Kontakt zu unserem Körper mit seinen Körperempfindungen und zu unseren Gefühlen.

Nur über die Körperwahrnehmung, über das Spüren und Fühlen bekommt der Körper Raum für eine Regulation bzw. einen Spannungsabbau, was sich heilsam auf körperliche und psychische Symptome auswirken kann.

Über die Körperwahrnehmung können wir über bestimmte neurologische Wege Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem und somit auf die spannungsabbauenden  Regulationsmechanismen im Stammhirn nehmen.

Wegweisend in der heutigen Traumaforschung sind moderne neurobiologische Forschungen. Die funktionelle Magnetresonanztomografie beweist, dass unser Gehirn und damit unser Denken und Fühlen eine bestimmte Plastizität besitzt, eine ständige Veränderungsfähigkeit.

Reagieren wir auf heftige schmerzhafte Emotionen statt wie bisher mit Selbst- oder Fremdverletzung nun bewusst gewählt mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl, hat dies konkrete Auswirkungen im unserem Gehirn. Es kommt zu neuen Verknüpfungen, spezifische Gehirnareale verändern sich.

Es entsteht oder erweitert sich sozusagen ein Weg des Mitgefühls in unserem Gehirn, den wir dank unserer Entscheidung immer wieder gehen können, der zum Habitus werden kann.

Einerseits hat unser Denken und Fühlen Auswirkungen auf die Struktur und Biochemie unseres Gehirns. Andererseits haben die strukturellen und biochemischen Veränderungen in unserem Gehirn wiederum Auswirkungen auf unser Denken und Fühlen und beeinflussen unser ganzes Erleben zum Positiven.

So kommt es zu tiefgreifenden Veränderungen auf allen drei Seinsebenen, in unserem Körper, in unserer Psyche und in unserem Geist.

Unsere belastenden Emotionen mit Hilfe der Liebevollen Zwiesprache zu lösen kann durch wiederholte Anwendung zu einem selbstverständlichen inneren Weg werden.

Genauso, wie sich alte destruktive Verhaltensmuster konditioniert haben, können wir nun bewusst gewählt den Weg der liebevollen Aufmerksamkeit mit Hilfe der Liebevollen Zwiesprache konditionieren.

Solange wir von unserem Erleben aus der Vergangenheit gesteuert werden, solange tragen wir die Effekte der Vergangenheit in unsere Gegenwart hinein. Dies bildet sich in unseren Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen und Handlungen ab. Wir können die Gegenwart nicht frei sehen, weil sie von einem Schleier der Vergangenheit überlagert wird.

Die Geister der Vergangenheit zu heilen bedeutet, auch unangenehme Gefühle willkommen zu heißen. Geister aus dem Schattenreich lösen sich auf, wenn wir damit präsent bleiben. Wir müssen nicht wissen, und nicht verstehen, warum wir so fühlen wie wir fühlen. Alles, was wir lernen müssen, ist da zu bleiben, wenn unser Kummer spürbar wird.

Die schmerzhaften Gefühle sind schlimm genug. Doch am Schlimmsten ist, dass wir uns selbst verlassen haben. Alles, was wir lernen müssen, ist da zu bleiben, bei uns zu bleiben und für uns selbst zu sorgen.

In Bildern gesprochen:

Wenn wir uns in einem Labyrinth verlaufen haben, brauchen wir zuerst einen klaren Weg heraus. Erklärungen darüber, wie wir in das Labyrinth gekommen sind und warum wir uns darin verirrt haben, helfen uns in keinster Weise heraus.

Die Frage nach dem Warum eines ausgelösten Schmerzes führt sehr schnell in ein Gedankenkreisen und in eine Sackgasse. Erst wenn wir durch den Schmerz hindurchgekommen und aus dem Labyrinth herausgekommen sind, können wir die Ursachen klarer erkennen – wenn es dann noch eine Bedeutung hat.

„Ein dunkler Raum wird nicht heller, indem man das Dunkel heraustreibt, sondern indem man das Licht hereinlässt.“

Stellen wir uns unser Leben, das wir führen, als Gefäß vor. Je nachdem, wie groß dieses Gefäß ist, soviel Lebensenergie kann frei fließen, und soviel emotionale Kraft kann gehalten werden.

Wenn wir uns entwickeln und emotional freier und kraftvoller werden wollen, muss sich das Gefäß erweitern. Jedes Mal, wenn eine starke emotionale Ladung in uns ausgelöst wird, dann entsteht ein Druck auf unsere Gefäßwände. Das kann mit Schmerz und Druck verbunden sein. Wenn wir lernen, mit dieser Erfahrung präsent zu bleiben, dann dehnt sich das Gefäß aus. Einerseits wird durch die Lösung einer emotionalen Ladung mehr Lebensenergie im Gefäß freigesetzt. Andererseits ist ein größerer Raum da, mehr Lebenskraft zu empfangen.

Wenn das Gefäß sich ausdehnt, stößt es an tiefer liegende Traumastrukturen, welche wiederum alte gespeicherte Schmerzemotionen freisetzen, die wiederum gehalten und hindurchgefühlt zu einer weiteren Gefäßvergrößerung führen. Mit der Erweiterung unseres Lebensgefäßes gewinnen wir mehr und mehr innere Kraft, Kreativität und Lebendigkeit. Unser individuelles Potential entfaltet sich. Da kommt etwas in Bewegung und Entwicklung geschieht.

Solange unser Gefäß noch nicht so stabil ist, dass eine stärkere Schmerzenergie gehalten werden kann, ist es hilfreich, sich eine kompetente Person im Außen zu suchen, welche den ausgelösten Schmerz durch präsentes Dasein mithält und andererseits die Kompetenz vermittelt, selbst präsent dableiben und halten zu können.

Die Liebevolle Zwiesprache schafft einen Raum, dass sich unser Lebensgefäß erweitern kann.